Vom Ruderbecken zum Ruder-Ergometer: Rudergeräte einst und jetzt

Heutzutage werden ja sogar auf neuartigen Ruder-Ergometern Weltmeisterschaften ausgetragen. Bevor ich aber darüber berichten werde, soll der Blick heute aber erstmal zurückgehen, denn ich habe in meinem Kinder-Fotoalbum ein paar „Schätzchen“ entdeckt, die 1977 aufgenommen sein müssten.
Weil auch früher im Winter das Rudern auf eiskalten Gewässern kein Vergnügen war – zumal Gore-Tex und Klimafasern damals noch nicht erfunden waren – blieb man im Bootshaus und ging auf den Ruderbock:
Ruderbock Anno 1977

Ein Kasten mit Stemmbrett, Rollsitz und Riemen an einem Gelenk. Spartanisch, aber sehr eng mit dem Ruderboot verwandt, und manchmal das einzige, was man hatte. Einige Ruderer hatten zwar zu der Zeit auch ein Paar Laufschuhe, die sie ab und zu genutzt haben, aber andere Ausgleichssportarten für den Winter waren damals – aus welchen Gründen auch immer – noch nicht so populär.

Fortschrittliche Vereine hatten ein Ruderbecken. In manchen Chroniken wird mit Stolz auf die Einweihung eines solchen Beckens kurz nach Kriegsende hingewiesen. Hier konnten immerhin schon bis zu 4 Sportler gemeinsam trainieren. Die Ruderblätter waren durchbrochen, um gut durch das stehende Wasser bewegt werden zu können, der Rest hatte sehr starke Ähnlichkeit mit dem Ruderboot.

Ruderbecken Anno 1977

Ruderbecken gibt es auch heute noch. Sie sind allerdings weit fortschrittlicher, nicht nur heller und freundlicher, sondern bieten zumindest die Möglichkeit, wahlweise mit Riemen oder Skulls zu rudern und deutsch oder italienisch zu riggern (etwas Ruderchinesisch für Insider). Im Idealfall kann das Training sogar mit Videokameras und anderen technischen Geräten überwacht und gesteuert werden.
Manche Rudervereine haben ihr Ruderbecken inzwischen aber auch aufgegeben, weil sich bei den Fitnessgeräten einiges getan hat.

Die nächste Generation nach dem Ruderbocks wird von Geräte wie dem Kettler Favorit vertreten.

rudergeraet.jpg

Die zwei Ausleger machen den gleichen Bewegungsablauf wie im Ruderboot möglich und verlangen eine gute Koordination. Über die Hydraulikzylinder wird die Kraft des Wassers nachempfunden. Der Widerstand lässt sich je nach Stärke und Trainingsziel des Ruderers in mehreren Stufen verstellen. Allerdings ist die gleichmäßige Einstellung beider Zylinder nicht immer ganz so einfach, und die Hydraulik erschwert teilweise eine gleichmäßig fließende Ruderbewegung. Die Überwachung und Steuerung des Trainings über die Herzfrequenz und die Möglichkeit, verschiedene Trainingsprogramme durchzuführen, stellen aber eine weitere Verbesserung im Vergleich zum historischen Ruderbock dar. Für Hobby- und Gesundheitssportler mit kleinem Budget sind diese Hydraulik-Geräte also durchaus in Ordnung.

Bei den modernen Rudergeräten wie dem Kettler Ergocoach ersetzt ein mittig befestigter Seilzug mit Griff die beiden Ausleger. Dadurch muss sich der Trainierende weniger auf die Koordination seiner Arme konzentrieren, entfernt sich aber auch ein wenig von der Ruderbewegung. Dafür kann er sein Rudergerät aber auch alternativ für das Training der Armen und des Oberkörpers im Stand oder im Liegen verwenden.

Ruder-Ergometer

Bei diesem Modell wird die Kraft wie bei den Rad-Ergometern und Crosstrainern über eine Magnet- oder Wirbelstrom-Bremse begrenzt. Die Schwungmasse sorgt für runde Bewegungen und individuelle Möglichkeiten zur Leistungsregelung.

Näher an das Rudergefühl kommt man auf einem Trainingsgerät, das mit einem Luftwiderstands-System arbeitet, wie der Horizon Fitness Oxford. Das Luftrad dreht sich durch die Bewegung des Ruderers und erzeugt einen Widerstand, der beim folgenden Zug so wirkt wie das Rudern im fahrenden Boot.

Und da Rudern ja ein Wassersport ist, hat die Firma Waterrower in ihren Geräten den Luftwiderstand durch den Widerstand des Wassers ersetzt. In einem Wasserbehälter rotiert ein Paddel und bremst die Bewegung. Durch die Füllhöhe im Behälter lässt sich die Stärke des Widerstandes verändern. Und wer vom Freiluftrudern an Wassergeräusche gewöhnt ist, wird sich mit einem der Waterrower sicher wohlfühlen. Ruderer mit einem etwas größeren finanziellen Freiraum können zusätzlich auf die Optik seines Waterrowers schauen und zwischen Geräten in Edelstahl, Kirsch-, Walnuss- oder Eschenholz wählen…vielleicht in Erinnerung an Zeiten, in denen es Ruderbecken gab und die meisten Rennboote aus Holz waren?

Einen kleinen Nachteil haben Rudergeräte allerdings im Vergleich zu Crosstrainern und Fahrrädern: Durch die Vor- und Rückwärtsbewegung kann man nicht lesen. Aber Musik oder Bildung über die akustische Schiene ist natürlich trotzdem möglich – wenn man sich nicht ganz dem Rauschen des Wassers hingeben möchte.
Alles in allem sind die heutigen Rudergeräte also nicht nur für die Spitzensportler geeignet. Auch Breiten- und Gesundheitssportler können auf einem Ruder-Ergometer ein schonendes und effektives Ausdauertraining für den gesamten Körper durchführen. Die Geräte sind durchaus erschwinglich und lassen sich in einer Trainingspause auch Platz sparender verstauen als andere Geräte. Also:

Sind Sie bereit?
Los!

Dieses Kommando gilt nicht nur am Start einer Ruderregatta, sondern auch auf dem Weg zu einem neuen Trainingserlebnis.

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9 Kommentare zu „Vom Ruderbecken zum Ruder-Ergometer: Rudergeräte einst und jetzt“

  • Interessante Ausführungen zur Historie des Ruderergometers!
    Wissen sie wer Ruderböcke alter Art noch vertreibt?

  • Schöner Artikel. Die Ruderweltmeisterschaften werden übrigens auf dem Concep2 Indoor Rower ausgetragen, DEM Rudergerät schlechthin. (www.concept2.de / http://www.concept2.com) Der weitaus größte Teil aller Ruderer -sowohl im Leistungs- wie auch im Breitensport- nutzen die Geräte von Concept2.
    Grundsätzlich empfehle ich rudern jedem, der möglichst effektiv und zeitsparend trainieren möchte. Ganz egal ob er/sie ein paar Pfunde verlieren, seine Rumpfmuskulatur aufbauen oder einfach wieder fit werden möchte.

  • Robert:

    Ich persönlich präferiere da Biorower – mehr rudern an Land geht nicht.
    http://www.biorower.com

  • What was the name of the 90 s tv show where kids rode on six wheelers and liltte dirt bikes and 4 wheelers? ?It was a show that came on after school in the 90 s and kids rode liltte 4 wheelers and dirt bikes and 6 wheelers and competed against each other. I have looked everywhere on the internet and can’t find it. If I only knew the name of the show. Please help!~

  • Ein wirklich toller Artikel zur Geschichte des Rudergerätes! Ist schon beeindruckend, mas man sich alles hat einfallen lassen um an Land dem Rudersprot nachgehen zu können!
    Ich persönlich bin ein Fan des Concept 2 und habe die Anschaffung bis heute nicht bereut. Gibt einfach nichts besseres um den Winter zu Überbrücken und im Sommer dann nahtlos an die Leistungen des Vorjahres anzuschließen!

  • Interessante Historie, die das Rudergerät zu bieten hat. Ich selbst betreibe mein Indoor-Training auf den Rudergeräten von concept2 (vgl. Kommentar oben) und alternativ gerne auch auf dem Crosstrainer. Ein gutes, gelenkschonendes Ganzkörpertraining. Testberichte, Vergleiche und Kaufempfehlungen von Crosstrainern findet man z.B. hier: http://crosstrainer-im-test.com/ . Sportliche Grüße:)

  • Arne:

    Da kann ich Ruderer Armin nur zustimmen. Vielen Dank. Ich persönlich habe ein Jahr auf einem eher billigem Modell gestrampelt, wollte jetzt aber mir ein neues kaufen und tief in die tasche greifen. Hier ( http://rudergeraet-im-test.de/ )hab ich mich außerdem informiert, jedoch weiß ich immer noch nicht ob ich nun den WaterRower oder Den Concept2 mir holen soll. Evtl. habt ihr ja noch einen Tipp.
    MfG Arne

  • Wow! Echt interessant diese Entwicklung zu sehen. Rudergeräte damals und heute unterscheiden sich ja doch sehr. Ich hatte das Problem, dass ich mich nicht zwischen einem Waterrower Rudergerät und Concept 2 Rudergerät entscheiden konnte allerdings habe ich mich schlussendlich für das Waterrower entschieden und bin damit sehr zufrieden. Für meine Entscheidung war die Seite ( http://rudergeraet-testportal.com/ ) sehr hilfreich.
    Liebe Grüße an alle!

  • Anna:

    Rudergeräte sind absolut top. In meinem neuen Fitnessstudio gibt es zwei davon. Den Hersteller habe ich allerdings nicht im Kopf. Ich benutze es erst immer zum “Anschwitzen” und kann danach aufgewärmt mein Krafttraining durchziehen. Ich habe dabei einfach ein besseres Gefühl. Man ist eben schon warm und so weiter.
    Manchmal gehe ich nach dem Training nochmal drauf, um ein paar extra Kalorien zu verbrennen.
    Hier https://crosstrainer-experts.de/kalorienverbrauch-crosstrainer/ habe ich die Kalorien ausgerechnet. Man kann sogar die Wattzahl einstellen und erhält somit einen noch präziseren Wert.
    Liebste Grüße
    Anna

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