Wintertraining vor 30 Jahren

Vor 30 Jahre gab es kein Internet. Da gab es auch noch keine Handys, sondern Telefonhäuschen, in die man Münzen einwerfen musste und dann die Wählscheibe drehen konnte. Ortsgespräche haben damals ohne zeitliche Begrenzung 20 Pfennig gekostet, und es Kurzvorwahlnummern, d.h. für Telefonate vom Frankfurter Umland in die Stadt musste nur eine 9 vorgewählt werden.

Auch wenn es vielleicht für die junge Generation unvorstellbar ist, aber man konnte damals auch schon recht gut leben. Und man konnte auch trainieren. Wenn man allerdings die heutigen Möglichkeiten mit Fitnessgeräten und -studios betrachtet, könnte man nachträglich schon ein wenig neidisch werden. Oder haben wir es vielleicht doch besser gehabt, weil uns nicht alles auf dem “Silbertablett” serviert wurde?
Ich habe mal ein wenig in meinem Archiv gestöbert und ein paar interessante und amüsante Dinge gefunden:

Im Katalog des Radsporthauses Brügelmann aus dem Jahr 1978 werden Ruderapparate angeboten. Für das Modell SUPER SKIFF heisst es dort:
“Stufenlose Regulierung des gewünschten Widerstandes. Die neue, stärkere Hydraulik bewirkt besonders wirksames und geräuschloses Bremsen. Simulierung des Kräfteverlaufs wie bei einem echten Ruderboot im Wasser. Der Rollsitz ist dem eines Rennbootes nachgebildet.” Der Preis betrug damals DM 530.-

Hydraulische Rudergeräte werden zwar auch heute noch verkauft. Das günstigste Angebot liegt bei EUR 313,40 und kann neben einer verbesserten Mechanik auch mit einem Trainingscomputer aufwarten. Aber inzwischen wird beim Rudern auf dem Trockenen längst mit Magneten, Luft oder Wasserwiderstand gepremst. Und auch Ästhetik kann beim Fitnessgerät eine Rolle spielen, sei es durch die Auswahl edler Materialien oder durch die stilvolle Integration des Trainingsgeräts in ein Möbelstück. Die Ruderstation der Firma Waterrower sieht im Ruhezustand wie ein edler Schrank aus, verwandelt sich aber innerhalb weniger Minuten in ein Ruderbecken, das auch als Schreibtisch nutzbar ist, wenn das Rudergerät außerhalb geparkt wird.

Bei Heimfahrrädern wirbt mein historischer Katalog mit CYCLETTE OLYMPIC-75 für stolze 470 DM:
“Leistungsgerecht für Trainingszwecke und Ausgleichssport. Auch härtestem Dauerbetrieb gewachsen. Stabile Rennpedale mit Haken. Verstärkter Kettenantrieb. Neue größere Schwungmasse mit 9,5 kg und verstärkten Bremszügen.”

Der günstigste Heimtrainer, der heute im Angebot ist, der Kettler Polo S, schlägt mit 284,90 EUR zu Buche. Er hat sogar nur eine Schwungmasse von 6 kg, allerdings einen Trainingscomputer und einen Rippenriemen als Antrieb. Aber die Schwungmasse ist weiterhin eine Stellschraube und ein Vergleichskriterium für Heimtrainer. 18 kg bietet beispielsweise das Kettler Ergorace, für das man allerdings knapp 1.500 EUR ausgeben muss. Dafür gibt es auber u.a. auch noch einen Trainingscomputer mit 48 Programmen und vollständiger Trainingsüberwachung – da erblassen der Geschwindigkeits- und Wegstreckenmesser der CYCLETTE-72 vor Neid. Eine Kuriosität aus den 70er-Jahren hat sich scheinbar nicht durchgesetzt:

“…eingebautes Exentergetriebe, welches beim Treten den Lenkerteil vor- und zurückbewegt. Besonders geeignet zum Training der Arm-Bauch- und Rückenmuskulatur.”

Die andere Alternative zum Radtraining auf nassen, kalten Straßen war die sogenannte Rolle. Aber eigentlich war es keine wirkliche Alternative und nur zum Warmfahren bei Bahnrennen geeignet, denn ohne künstlichen Widerstand war die Vielfalt des Trainings sehr begrenzt. Auch hier gibt es inzwischen eine neue Generation an Rollentrainern.

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